Mein Name ist Gresa Arifi und ich bin 23 Jahre alt. Ich studiere im 4. Mastersemester Geschichte, Germanistik und Bildungswissenschaften an der Ruhr-Universität Bochum.
Seit 2019 bin ich Stipendiatin des Avicenna-Studienwerks und habe seitdem eine wundervolle und aufregende Zeit erlebt. Seit Beginn meiner Förderung habe ich eine persönliche Reise angetreten, die aus vielen tollen Veranstaltungen, Möglichkeiten und vor allem aus Selbstentfaltung und -entwicklung besteht.
Mit 17 Jahren habe ich mein Abitur am Grillo-Gymnasium absolviert. Meine Lehrerinnen und Lehrer waren immer fest davon überzeugt, dass in mir viel mehr steckt als nur eine junge, schüchterne Volleyballspielerin. Obwohl ich viel Selbstvertrauen hatte, hinterließ die Vergangenheit während der Asylzeit ihre Spuren, geprägt von Sorgen und Ängsten.
Meine Bewerbung beim Avicenna-Studienwerk war ein Schritt in Richtung einer vielversprechenden Zukunft und ein Ausdruck meines starken Willens, einen positiven Beitrag zur Welt zu leisten. Ich strebte danach, eine aktive Rolle in unserer pluralistischen Gesellschaft einzunehmen und die Gelegenheit zu nutzen, mich weiterzuentwickeln. Diese Ambition wurde von meinen Eltern stets unterstützt, die mir einen festen Anker boten, egal wie herausfordernd unsere Umstände waren.
Ich hatte niemals erwartet, aufgenommen zu werden. Nicht, weil ich dachte, ich wäre dem Studienwerk nicht gewachsen, sondern wegen meines Abiturs. “Ich brauche sowieso einen Schnitt von 1,0, um aufgenommen zu werden” – dieser Gedanke begleitete mich bis zur Abgabe meiner Bewerbung. Doch mit der Zusage zum Bewerbungsgespräch änderte sich meine Denkweise schlagartig, und ich wusste: “Du hast eine Chance.”
Mit der Unterstützung Avicennas und meiner Familie, konnte ich meinen Bachelor absolvieren und direkt das Masterstudium fortsetzen. Neben der finanziellen Förderung bietet mir das Stipendium auch Vorteile für meine fachliche Weiterentwicklung. Durch zahlreiche Seminare, Veranstaltungen und ein großes Netzwerk konnte ich meine Expertise und Erfahrungen in meine akademische sowie berufliche Laufbahn einbringen.
Als Regionalsprecherin für den Raum NRW-Nord konnte ich viele Ideen und Impulse einbringen sowie Veranstaltungen mit organisieren. Nicht zuletzt verdanke ich dem Avicenna-Studienwerk das Treffen mit Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier, welches mich zur Veranstaltung des “Runden Tischs” vorgeschlagen hat.
Als angehende Historikerin und Lehrerin möchte ich ein friedliches Miteinander fördern und mich aktiv gegen Antisemitismus, Antimuslimischen Rassismus, und Stigmatisierung einsetzen. Es ist wichtig, über politische und gesellschaftliche Ereignisse zu sprechen, indem wir den Menschen einen Raum bieten, in dem kontroverse Debatten sachlich geführt werden können. Jeder Mensch sollte gehört und gesehen werden — ein Raum für ihre persönliche Bühne und Geschichte!
Genau das kann ich mithilfe des Studienwerks erreichen, welches meine Werte und Normen genau vertritt – etwas, wonach ich lange gesucht habe!
Besonders erfüllend war es für mich, eine Impulsrede auf der 10-jährigen Jubiläumsfeier unseres Studienwerks halten zu dürfen.
Meine Message: „Ja, ich habe einen albanischen Hintergrund und eine internationale Familiengeschichte. Doch ja, ich bin mehr als ein Flüchtlingskind. Niemand sollte seinen Erfolg ausschließlich auf die Hindernisse und Herausforderungen seines Migrationshintergrunds reduzieren lassen. Es ist die Persönlichkeit, der unermüdliche Wille und das Netzwerk um uns herum. Es sind die Chancen, die uns Deutschland bietet. Es ist so viel mehr als das und heißt Avicenna.