Dass es für mich in die naturwissenschaftlich-mathematische Richtung gehen würde, war schon früh klar. Diese Fachbereiche haben mich in der Schule schon immer am meisten interessiert und begeistert. Die Entscheidung fiel deshalb für die Chemie, weil sie aus meiner Sicht von allen Naturwissenschaften die vielseitigste ist: Neben „klassischen“ chemischen Disziplinen wie anorganischer und organischer Chemie gibt es zahlreiche Überschneidungsbereiche zwischen der Chemie und angrenzenden Fachbereichen, z. B. Quantenphysik, Verfahrenstechnik, Materialwissenschaften und Biologie. Auch solide mathematische und physikalische Grundlagen, Programmieren und vor allem praktisch-handwerkliche Laborfertigkeiten spielen eine große Rolle. Im Chemiestudium kann ich daher eine besonders große Bandbreite an Wissen erlernen.
Das nächste Etappenziel ist natürlich der Bachelorabschluss. Danach möchte ich in einem Industriepraktikum den Arbeitsalltag als Chemiker kennenlernen, bevor ich mit dem Masterstudium beginne.
Auch wenn es allmählich einfacher wird, mit einem Masterabschluss in Chemie in den Beruf zu starten, ist eine Promotion jedoch klar die Regel und nicht die Ausnahme. Daher ist langfristig der Doktortitel das Ziel meines Studiums. Ich kann mir gut vorstellen, während der Promotion an Katalysatoren zu forschen, die uns helfen, die aktuellen Prozesse der chemischen Industrie effizienter und nachhaltiger zu gestalten, z. B. durch verstärkte Verwendung von Biomasse statt Erdöl.
Es sind vor allem zwei Aspekte, die das Cusanuswerk für mich zu etwas Besonderem machen:
Erstens das Ausmaß an Freiräumen, die das Cusanuswerk für seine Stipendiatenschaft eröffnet. So gibt es auf allen Ferienakademien – so nennen wir die zweiwöchigen Summer Schools in der vorlesungsfreien Zeit – neben Vorträgen und Diskussionsrunden viele so genannte „open spaces“, die die Möglichkeit bieten, die Gemeinsame Akademiezeit neben dem „offiziellen“ Programm nach eigenen Vorstellungen zu gestalten.
Zweitens der riesige Gestaltungswille der „Cusis“. Den spürt man in der einzigartigen cusanischen Selbstorganisation, in den vielen selbst initiierten Aktionen in den verschiedenen, über ganz Deutschland und darüber hinaus verteilten Hochschulgruppen und besonders im erwähnten open space: Von sportlichen Angeboten wie Tanz oder Tischtennis über selbstorganisierte Chöre und Theatergruppen oder Impulsvorträge aus den verschiedenen Fach- und Lebenswelten der Teilnehmenden bis hin zu selbst gestalteten Gebetszeiten gibt es oftmals mehr Angebote, als der zeitliche Rahmen eigentlich hergibt. Sich hier auszuprobieren, hilft, sich selbst kennenzulernen und sich mit den Realitäten der vielen anderen Mitstipendiatinnen und -stipendiaten auseinanderzusetzten. Außerdem stiftet es einen starken Zusammenhalt in der cusanischen Gemeinschaft.
In jeder Hinsicht war dies meine erste cusanische Ferienakademie: Nicht nur war das Thema „Konflikte der Wissensgesellschaft“, bei dem (Natur-)Wissenschaften aus einer Metaperspektive betrachtet wurden, nah an meiner Lebensrealität als Chemiestudent. Hier durfte ich auch zum ersten Mal den beschriebenen Geist erleben, der die cusanische Gemeinschaft prägt – und, wie ich glaube, inzwischen auch mich.
Die Gemeinsame Sommerakademie der Begabtenförderungswerke im Sommer 2023 war ebenfalls eine spannende Erfahrung, weil ich hier mit Stipendiatinnen und Stipendiaten der anderen religiösen Werke (Villigst, Ernst-Ludwig-Ehrlich-Stiftung und Avicenna) ins Gespräch über unsere Religionen kommen konnte und wir gegenseitig die Gebete und Bräuche der anderen Religionen kennenlernen durften.
Das Stipendium schenkt mir vor allem ein starkes Netzwerk aus großartigen, klugen und engagierten Freundinnen und Freunden. Außerdem habe ich hier viele Interessen entdeckt, die mir selbst vermutlich sonst verborgen geblieben wären: Standard-Tanz, Chorleitung oder das katholische Stundengebet sind nur einige Beispiele für Dinge, die ich hier ausprobieren durfte. Die monatliche finanzielle Unterstützung ist natürlich ebenfalls vorteilhaft, weil sie Spielraum zur Weiterbildung, zum Engagement und zur Teilnahme an den vielen Veranstaltungen des Cusanuswerks schafft.
Seit kurzem darf ich im Team der Sprecherinnen und Sprecher der Cusanusgruppe Aachen-Maastricht dazu beitragen, dass das Angebot der cusanischen Aktivitäten so bunt bleibt, wie ich es kennenlernen durfte. Ich kann mir gut vorstellen, mich in Zukunft auch in einem der vielen cusanischen Gremien einzubringen. Mein Engagement als Basketballschiedsrichter und in der katholischen Kirche ist so sehr ein Teil von mir, dass ich es auf jeden Fall auch in Zukunft fortsetzen möchte.
Versucht es einfach! Egal, ob eure Eltern einen Studienabschluss haben oder nicht, egal, ob ihr einen Notenschnitt von 1,0 habt oder nicht – ihr könnt nichts verlieren und so viel gewinnen. Und seid ihr selbst! Ihr müsst euch nicht verstellen, nicht in den Vordergrund drängen, nicht zurücknehmen. Ihr seid – so zumindest meine Erfahrung – beim Cusanuswerk genau so, wie ihr seid, willkommen.