„Ohne die Hans-Böckler-Stiftung wäre ich nicht in Oxford. “

Elif Bayat studiert Global Governance & Diplomacy in Oxford, ist Clarendon Scholar, engagiert sich international in der Klimapolitik – und spricht im Interview darüber, wie sie als Erstakademikerin ihren Weg an die Elite-Uni gefunden hat und welche Rolle die Hans-Böckler-Stiftung dabei spielte.

Hans-Böckler-Stiftung: Liebe Elif Bayat, was und wo studierst du?

Elif Bayat: Ich studiere derzeit im Master Global Governance and Diplomacy an der University of Oxford. Zuvor habe ich Soziologie und Politikwissenschaft an der Goethe-Universität Frankfurt am Main studiert, mit Auslandssemestern in Paris und Istanbul sowie einem kurzen Studienaufenthalt als Fulbright-Stipendiatin in Texas, USA.

Welche Themen beschäftigen dich besonders in deinem Studium?

Ich bin thematisch vielfältig aufgestellt und habe mich in Oxford mit einer großen Bandbreite an Fragen der Diplomatie und internationalen Beziehungen beschäftigt. Gleichzeitig hatte ich die Möglichkeit einige Vertiefungskurse zu belegen, unter anderem zur Geschichte und Politik humanitärer Hilfe. Dort haben wir nicht nur historische Wendepunkte der Humanitären Hilfe analysiert, sondern auch intensiv darüber diskutiert wann Hilfe nützt, wann sie schadet und welche Verantwortung humanitäre Akteure tragen, da sie im Spannungsfeld zwischen Ethik, Weltpolitik und Völkerrecht agieren.

In meiner Abschlussarbeit beschäftige ich mich nun mit Gipfeldiplomatie, ganz konkret mit den G20-Gipfeln. Auch wenn mein Schwerpunkt heute eher in der Diplomatie Forschung und Außenpolitik liegt, bleibt in mir die Frankfurter Soziologin, die neugierig und kritisch auf das große Ganze blickt.

Dein Studium im Studienfach „Global Governance and Diplomacy“ absolvierst du in Oxford. Wie hast du den Weg zur Elite-Uni erlebt?

Bis kurz vor Ende meines Erststudiums hätte ich nie in Erwägung gezogen mich für Oxford zu bewerben. Als Erstakademikerin war ich generell schon unglaublich stolz, ein Bachelorstudium aufgenommen und erfolgreich abgeschlossen zu haben.

Als dann neben den Zusagen auch noch das Angebot kam, Clarendon Scholar zu werden, und damit eines der renommiertesten Stipendien für akademische Exzellenz in Oxford zu erhalten, war ich ehrlich gesagt ein wenig sprachlos und verspürte einfach tiefste Dankbarkeit. Dass ich dieses Ziel ausgerechnet in Oxford verwirklichen konnte ist eine Chance und ein Privileg.

Der Start in Oxford war aber eine Erfahrung für sich. Am Anfang fühlte sich vieles fremd an: die alten Traditionen an den Colleges, die unausgesprochenen Etikette, selbst die Art wie Menschen miteinander sprachen.

Heute nach meinem ersten Jahr in Oxford weiß ich: Ich bin gewachsen, und zwar weit über das Fachliche hinaus. In den letzten Monaten habe ich gelernt, wie dieses System funktioniert und meine eigene Rolle hier gefunden. Wir Erstakademikerinnen arbeiten vielleicht doppelt oder dreifach so hart, um so weit zu kommen. Vielleicht macht genau das den Stolz, den ich heute empfinde, noch ein bisschen größer.

Welche Rolle spielt die Förderung der Hans-Böckler-Stiftung für dein Studium?

Ohne die Hans-Böckler-Stiftung wäre ich heute sehr wahrscheinlich nicht in Oxford. Es sind die Menschen, das Netzwerk, der Austausch und die Zugänge auch zu anderen Be­gab­ten­för­der­ungs­wer­ken, die meinen Weg seit meinem Bachelorstudium prägen. Das ideelle Programm der Stiftung habe ich oft und gern genutzt und an vielen Veranstaltungen teilgenommen. Gelegentlich habe ich mir eine Zweitmeinung von meiner Referentin eingeholt und mit ihr über meine nächsten Schritte gesprochen.

Alles ist nämlich sehr kollegial bei der Hans-Böckler-Stiftung. Ich konnte über große Pläne offen sprechen und bekam immer wertvolles Feedback sowie neue Denkanstöße. Auch Herausforderungen konnte ich offen ansprechen. Die Begabtenförderung hat mich definitiv inspiriert, meine eigenen wissenschaftlichen Ambitionen weiterzuverfolgen.

Was zählte zu deinen Highlights während der Förderung durch die Hans-Böckler-Stiftung?

Wenn mich jemand fragt, was die Hans-Böckler-Stiftung für mich bedeutet, ist Mitbestimmung wohl eines der ersten Dinge, die mir einfallen. Ich war noch ganz neu in der Stiftung als ich wenige Monate später gefragt wurde, ob ich nicht als Gremienvertreterin kandidieren wolle. So wurde ich kurze Zeit später in dieses Amt gewählt und durfte die über 2.500 Stipendiat:innen in einem der Auswahlausschüsse vertreten. Definitiv ein Highlight für mich, da ich mich auch innerhalb der Stiftung engagieren konnte und uns ein echtes Mitspracherecht gegeben wurde.

Wie engagierst du dich abseits des Studiums?

Mein zeitintensivstes Engagement ist aktuell das Amt der deutschen UN‑Jugenddelegierten zur Weltklimakonferenz. Es ist ein noch relativ neues Mandat innerhalb der deutschen UN‑Jugenddelegiertenprogramme. Für mich schließt sich damit ein Kreis: Seit vielen Jahren engagiere ich mich in der internationalen Klimapolitik und nun kann ich dieses Wissen direkt zu den UN- Verhandlungen nach Brasilien bringen und jungen Menschen aus Deutschland vertreten.

Vor Kurzem wurde ich außerdem vom Präsidenten der Oxford Union ins Komitee berufen. Ich bin dort Socioeconomic Officer und lade aktuell bekannte Persönlichkeiten aus der ganzen Welt nach Oxford ein.. Außerdem bin ich Communications Secretary des Clarendon Scholars Council, dem Netzwerk der Clarendon Scholars in Oxford. Hinzu kommen zwei weitere Jugendvertreterinnenrollen bei den Vereinten Nationen: bei der Internationalen Fernmeldeunion und beim Umweltprogramm der Vereinten Nationen.

Ein Herzensprojekt ist und bleibt es, meine Erfahrungen weiterzugeben. Besonders gerne mache ich das als Alumna des RuhrTalente Schülerstipendiums, das am NRW‑Zentrum für Talentförderung angesiedelt ist.

Durch die Begabtenförderung ist es mir gelungen, mein Engagement auch neben dem Studium auszuführen und sogar auf die internationale Bühne zu bringen. Und wenn dabei auch nur eine Person den Mut findet, einen ähnlichen Schritt zu wagen, hat sich mein Engagement bereits gelohnt.

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