„Forschung, Familie, Engagement – mit Rückhalt gelingt alles“

Anna Wolfram promoviert in Neurowissenschaften und Chemie – in Deutschland und Spanien. Sie engagiert sich für Gleichberechtigung, soziale Bildung und ist Mutter einer Vierjährigen. Wie sie das alles schafft? Mit einem starken Netzwerk, einer klaren Haltung und der Unterstützung durch die Friedrich-Ebert-Stiftung.

Friedrich-Ebert-Stiftung: Liebe Anna Wolfram, wer bist du – und was machst du?

Anna Wolfram: Mein Name ist Anna Wolfram (28) und ich promoviere in Neurowissenschaften (Tübingen) und Chemie (Spanien). Gefördert werde ich durch die Friedrich-Ebert-Stiftung (FES). Mein Fokus: die Bekämpfung von Gehirnkrebs. Neben der Forschung engagiere ich mich sozialpolitisch – für Gender Equality (Frauen mit Format) und soziale Bildung (IG Friedenstaube). Ich bin außerdem Mama einer 4-Jährigen und verfolge mit meinem Mann eine Dual Scientific Career. Die Vereinbarkeit gelingt auch dank der Förderung durch die FES seit 2020.

Wie kam es, dass du dich um ein Promotionsstipendium bei der FES beworben hast?

Während meines Masterstudiums in Biochemie (Heidelberg) habe ich mich proaktiv bei der FES beworben. Die Werte – Solidarität, Gerechtigkeit, Freiheit und Frieden – haben mich überzeugt, denn bereits 2015 habe ich eine Bildungsinitiative mitgegründet, die genau diese Prinzipien vertritt.

Eine Parteimitgliedschaft ist keine Voraussetzung für die Förderung und ich selbst bin auch kein Mitglied. Das Bewerbungsverfahren ist klar strukturiert: eine kurze Onlinebewerbung, dann die Vollbewerbung, zwei Gespräche mit Gutachter*innen und die finale Abstimmung.

Neben guten Noten zählten vor allem mein Engagement und starke Empfehlungen – denn die FES fördert den Menschen, nicht nur die Leistung. Für die Promotion war ein 15-seitiges Exposé nötig – eine wertvolle Übung, die mir bis heute als Leitfaden dient. Zudem ermöglichte mir die FES ein Ergänzungsstudium, sodass ich Wissenschaft und Management verbinden konnte. Für diese Unterstützung bin ich sehr dankbar.

In der FES überwiegen Promovierende aus den MINT-Fächern eher nicht. Wie ist es für dich?

Ja, als MINTlerin bin ich in der FES-Förderung in der Minderheit. Aber genau deshalb möchte ich alle MINT-Promovierenden ermutigen: Die FES will die Zahl der geförderten MINT-Promotionen erhöhen – eure Chancen stehen also gut!

Meine Erfahrungen mit der FES sind durchweg positiv. Wir alle – egal ob in den Künsten, Jura oder Naturwissenschaften – stehen während der Promotion vor ähnlichen Herausforderungen: ein Überfluss an Quellen, viele Gedanken, die geordnet werden müssen, Schreib- und Publikationsdruck und vieles mehr. Strategien aus anderen Disziplinen können hier enorm weiterhelfen.

Genau deshalb tausche ich mich jede Woche mit einem FES-Stipendiaten aus, der in der Außenpolitik promoviert. Unsere Themen könnten kaum unterschiedlicher sein, aber gerade das macht den Austausch so wertvoll – neue Perspektiven bringen uns beide weiter.

Das Einzige, was viele Promovierende in der FES nicht kennen, ist der Laboralltag – das bleibt eine sehr spezifische MINT-Erfahrung.

Erzähl uns doch bitte noch etwas über die Initiativen, in denen du dich engagierst. Warum gerade diese?

2015 habe ich die Interessensgemeinschaft (IG) Friedenstaube mitgegründet und bis 2022 aktiv geleitet. Unser Motto: Soziale Schule. Humane Welt. Wir haben ein einzigartiges Konzept etabliert, das soziale Bildung von Schüler:innen für Schüler:innen fest im Schulalltag verankert.

Jährlich beschäftigen sich 600 Teilnehmende mit Themen wie Toleranz, Vielfalt, Gender Equality, Klimawandel, Inklusion und Hospizarbeit – und das in einem lehrer:innen-freien Raum. Heute begleite ich das neue Leitungsteam als Beraterin und freue mich über die Erfolge – besonders über die Auszeichnung mit dem Margot-Friedländer-Preis 2024 für unser Engagement gegen An­ti­se­mi­tis­mus, Rassismus und Demokratiefeindlichkeit.

Im Rahmen der Friedenstaube habe ich auch mit UN Women Deutschland e.V. für mehr Gender Equality kooperiert – ein Thema, das mir besonders am Herzen liegt. Heute engagiere ich mich im Frauennetzwerk Frauen mit Format an der Goethe-Universität Frankfurt, das Frauen über Fach- und Karrierestufen hinweg vernetzt und sichtbar macht. Das Besondere am Netzwerk: Es verbindet 3.000 Frauen aus Wissenschaft und Wirtschaft und schlägt so eine Brücke in die Stadtgesellschaft.

Seit 2024 unterstütze ich die Gründerin Astrid von der Malsburg in operativen und strategischen Aufgaben. Besonders spannend für mich: Hier kann ich meine bisherigen Erfahrungen mit meinem MBA-Wissen kombinieren und aktiv zur Weiterentwicklung der Initiative beitragen.

Zusätzlich engagiere ich mich in der FES als Seminarleiterin – eine Aufgabe, die mir große Freude bereitet: Ich lerne viele Promovierende kennen und habe die Möglichkeit, der Stiftung etwas zurückzugeben.

Wie schaffst du es, den verschiedenen Anforderungen an dich gerecht zu werden? Da ist die Dissertation, dein Stipendium, deine Familie, dein Engagement…

Mein Fokus liegt natürlich auf meiner Promotion – eine Herausforderung für sich, da ich im Joint PhD-Modell in Deutschland und Spanien in zwei verschiedenen Bereichen promoviere. Dank der Förderung kann ich die damit verbundenen Kosten, insbesondere für meine mindestens sechsmonatigen Forschungsaufenthalte in Spanien, finanziell bewältigen.

Als Mutter unterstützt mich das Stipendium zusätzlich mit finanzieller Hilfe, die ich für die Kinderbetreuung nutze – ein großer Vorteil, der es mir ermöglicht, die hohen Betreuungskosten in Baden-Württemberg abzufedern.

Mein ehrenamtliches Engagement ist nur möglich, weil ich durch das Stipendium den Großteil meiner Arbeitszeit flexibel und eigenverantwortlich einteilen kann. So kann ich zwischen meinen verschiedenen Aufgaben gezielt priorisieren und effizient wechseln.

Gleichzeitig ist die Realität: Das alles funktioniert nur, weil ich einen großartigen Ehemann habe, der sich die Care-Arbeit mit mir fair teilt. Ohne das Stipendium und meine Familie wäre dieses Pensum nicht zu stemmen.

Neben der finanziellen Unterstützung bietet mir die FES aber auch eine starke ideelle Förderung – besonders durch die Vernetzung mit Gleichgesinnten. Zudem habe ich innerhalb der Stiftung zwei direkte Ansprechpartner:innen, die immer ein offenes Ohr und einen guten Rat haben. Auch das tut gut: Denn je mehr einem den Rücken stärken, desto leichter gelingt alles.

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