„Eine Ausbildung ist kein Plan B. Sie ist mein Weg“

Johanna Schmidt macht eine Ausbildung zur Orthopädieschuhmacherin und wird von der Konrad-Adenauer-Stiftung gefördert. Im Interview erzählt sie, wie sie vom Studium zum Handwerk kam, was sie an ihrem Beruf fasziniert – und warum die Ausbildungsförderung für sie so wertvoll ist.

Konrad-Adenauer-Stiftung: Eine Ausbildung zur Orthopädieschuhmacherin – das hört man nicht allzu häufig. Wie bist du zu dieser Ausbildung gekommen und was fasziniert dich besonders daran?

Johanna Schmidt: Als Kind einer Akademikerfamilie mit sehr guten Schulnoten stand für mich während meiner Schulzeit nie wirklich zur Debatte, nach dem Abitur „nur“ eine Ausbildung zu machen. Ich begann also zunächst ein Studium, stellte aber nach einiger Zeit fest, dass mir die an Universitäten übliche, sehr theoretische Wissensvermittlung nicht liegt.

Ich arbeite sehr gerne mit meinen Händen und lerne am besten durch eine ganzheitliche Auseinandersetzung mit neuen Themen, die es mir unter anderem durch praktisches Ausprobieren ermöglicht, ein tieferes Verständnis zu gewinnen. Aus diesen Gründen entschied ich mich, mein Studium abzubrechen und stattdessen eine Ausbildung zu beginnen.

Ich habe mich über verschiedene Ausbildungsberufe informiert, um etwas zu finden, das meine theoretischen Interessen mit praktischem Handwerk verbindet, und entschied mich nach einer mehrtägigen Probearbeit in meinem jetzigen Ausbildungsunternehmen für die Orthopädieschuhtechnik.

Die Kombination aus theoretischen Inhalten wie Anatomie, Pathologie und Werkstoffkunde in der Berufsschule und der praktischen Arbeit in der Werkstatt liegt mir sehr. Es ist ein wirklich erfüllendes Gefühl, am Ende des Tages etwas geschaffen zu haben, das einem anderen Menschen ein Stück Mobilität und Lebensgefühl zurückgibt.

Wie läuft ein typischer Ausbildungstag bei dir ab?

Den Großteil meiner Ausbildung verbringe ich in der Orthopädieschuhtechnikwerkstatt. Dort lerne ich alle Arbeitsschritte, die zur Herstellung orthopädischer Einlagen und Maßschuhe notwendig sind.

Aktuell verbringe ich meine Arbeitstage entweder mit dem Maßschuhbau – insbesondere dem Zusammenbau der einzelnen Schuhteile und dem Aufbau des Schuhbodens – oder mit der Reparatur verschlissener Schuhe. Orthopädische Maßschuhe sind Unikate, die exakt auf die Fußproportionen und Beschwerden der Patientinnen und Patienten angepasst sind und vollständig von Hand hergestellt werden.

Viele unserer Patientinnen und Patienten haben Lähmungserscheinungen, Gelenkversteifungen oder Fehlbildungen, die es ihnen unmöglich machen, in konfektioniertem Schuhwerk zu laufen. Bei anderen genügt die Versorgung mit Schuheinlagen oder etwa der Anbau eines einseitigen Höhenausgleichs, wenn eine Beinlängenverkürzung vorliegt.

Die Schuhe und Einlagen werden in unserer Werkstatt gefertigt, umgebaut und repariert und anschließend von den Orthopädieschuhmachermeistern in einem unserer Sanitätshäuser oder direkt bei den Kundinnen und Kunden zuhause ausgeliefert.

Meine theoretische Ausbildung findet in Blöcken von zwei bis drei Wochen statt. Während dieser Zeit wohne ich aufgrund des großen Einzugsgebietes der Berufsschule im nahegelegenen Internat. Der Stundenplan ist wie an anderen Schulen in 45-minütige Unterrichtsstunden gegliedert und umfasst neben Fachunterricht auch allgemeinbildende Fächer wie Deutsch und Sozialkunde.

Seit Juli 2024 kann man sich um ein Stipendium der Ausbildungsförderung bei der Konrad-Adenauer-Stiftung bewerben. Wie bist du darauf aufmerksam geworden und was bedeutet es für dich?

Ich wurde während meines zweiten Ausbildungsjahres durch eine meiner Berufsschullehrerinnen auf die Möglichkeit aufmerksam gemacht, mich um ein Stipendium der Konrad-Adenauer-Stiftung zu bewerben. Ich hatte mich zuvor nicht mit dem Thema befasst, da es 2022, als ich meine Ausbildung begann, noch keine Stipendien für Auszubildende gab.

Es ist spannend, eine der ersten Stipendiatinnen zu sein und mitzuerleben, wie das Programm aufgebaut wird. Die finanzielle Unterstützung ist selbstverständlich eine große Hilfe. Was ich im Laufe des letzten Jahres jedoch besonders zu schätzen gelernt habe, ist die ideelle Förderung der Stiftung.

Neben den inhaltlichen Impulsen in den Seminaren ist es vor allem der Austausch mit anderen Stipendiatinnen und Stipendiaten aus verschiedensten Regionen und Berufsfeldern, der mich jedes Mal wieder inspiriert. Ich habe mich für die Konrad-Adenauer-Stiftung als politische Stiftung entschieden, da ich mich mit ihren Grundwerten einer freiheitlichen Demokratie auf Basis des christlichen Menschenbildes identifiziere. Diese inhaltliche Übereinstimmung bestärkte mich in der Entscheidung, mich zu bewerben.

Welche Erfahrungen hast du bisher mit der Konrad-Adenauer-Stiftung gemacht?

Seit meiner Aufnahme in die Ausbildungsförderung habe ich drei Seminare besucht. Besonders spannend war, dass vieles eine Art Premiere war – für uns Stipendiatinnen und Stipendiaten ebenso wie für die Beteiligten der Stiftung.

Natürlich lief bei der Umstellung von Studierenden auf Auszubildende nicht alles auf Anhieb reibungslos. Viele Auszubildende arbeiten in Schichten oder auch am Wochenende, viele haben Anwesenheitspflicht in der Berufsschule, und nicht alle Arbeitgeber sind bei Freistellungen flexibel. Umso wichtiger war die offene, transparente Kommunikation von Beginn an: Unser Feedback war jederzeit erwünscht und wurde konstruktiv aufgenommen.

Die Seminarinhalte waren vielfältig und boten jedes Mal neue Impulse. Mein persönlicher Favorit war das Seminar zu Rhetorik und Körpersprache. Besonders wertvoll war außerdem, dass wir als noch kleiner Kreis die ersten Seminare fast in der gleichen Besetzung durchliefen – das ermöglichte intensive Begegnungen und viel Austausch.

Welche Ziele hast du für die Zukunft?

Aktuell bereite ich mich auf meine Gesellenprüfung im Januar vor und habe bereits eine Zusage meines Ausbildungsbetriebs, anschließend übernommen zu werden.

In den vergangenen drei Jahren ist meine Begeisterung für die Orthopädie stetig gewachsen, und ich möchte mich beruflich weiterentwickeln. Daher plane ich, im Wintersemester 2026/27 ein Hochschulstudium im Bereich Orthobionik aufzunehmen.

Langfristig strebe ich eine Tätigkeit in der Forschung und Entwicklung im Bereich der orthopädischen Versorgungstechnik an.

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