Wie bist Du zur HSS gekommen?
In der Oberstufe hat eine sehr engagierte Lehrkraft meines Gymnasiums in Kelheim einen Vortrag zum Thema Stipendien organisiert. Ich wusste davor schon, dass ich mich für ein Stipendium bewerben wollte, aber nicht, welche Förderwerke es gibt und wie genau die Bewerbung abläuft. Ich dachte zwar, dass meine schulischen Leistungen wohl für irgendein Stipendium ausreichen könnten, aber gerade das Leitmotiv der HSS „Im Dienst von Frieden, Demokratie und Entwicklung“, deren Fokus auf gesellschaftliches Engagement ausgerichtet ist, und der breite „Stipendiatenpool“ haben mich besonders angesprochen. Schon damals habe ich immer versucht, alle Gelegenheiten zu nutzen, die sich mir geboten haben. Ich habe bei allen Seminaren und Schulfahrten mitgemacht und mich schon an meinem Gymnasium und in der Nachhilfe engagiert. Daher dachte ich, ich könnte zu der HSS passen und habe mich dazu entschlossen, mich bei der HSS zu bewerben und einfach mein Bestes zu geben.
Darüber bin ich bis heute sehr froh – die Förderung war und ist eine noch bessere und prägendere Erfahrung als alle bisherigen Austausche und Engagements zusammen.
Was bedeutet für Dich die Gemeinschaft der Stipendiatinnen und Stipendiaten der HSS?
Die Gemeinschaft ist ein starkes und vielschichtiges Netz. Die HSS ist wirklich eine Stiftung, die zur Mitarbeit einlädt. Das gefällt mir ganz besonders. So habe ich schon während meiner pandemiegeprägten Anfangszeit über meine lokale Hochschulgruppe schnell Anschluss gefunden und seither auf allen Seminaren tolle neue Leute kennengelernt. Was ich besonders an der Gemeinschaft der Stipendiatinnen und Stipendiaten schätze, ist deren Vielfältigkeit und deren Engagement. In der Förderung sind Leute aus allen möglichen Ländern, Religionen und Weltanschauungen vertreten und ich mag es, dass man sich mit allen sowohl über Gemeinsamkeiten als auch Differenzen offen und auf Augenhöhe unterhalten kann. Man trifft aber auch auf jedem Seminar oder in Kloster Banz bekannte Gesichter – das fühlt sich ein bisschen an wie ein Familientreffen. Ich habe unter den Stipendiatinnen und Stipendiaten nicht nur Freundschaften geschlossen, sondern habe auch mit steigender Mitarbeit meinerseits in der Stiftung gemerkt, wie stark die Stipendiaten das Stiftungsleben prägen. Zudem – und das habe ich vor meinem Förderungsbeginn nicht ganz glauben wollen – hat sich zwischen den (Alt-)Stipendiaten ein breites Netzwerk aufgebaut, das ich unbezahlbar finde. Egal, ob ich in einer Stadt spontan eine Übernachtungsmöglichkeit brauche oder Empfehlungen für ein Praktikum möchte – es gibt immer eine Person in der HSS, die einem da weiterhilft.
Was ist Dein bisheriges Highlight in der Förderung?
Tatsächlich fallen mir hier mehr zwei „Bereiche“ ein.
Einerseits war es mein persönlicher Höhepunkt in der aktiven Mitarbeit, dass ich von meinen Mitstipendiatinnen und -stipendiaten in die stipendiatische Vertretung gewählt worden bin – ein Amt, das immer wieder für kleinere „Highlights“ sorgt. Dadurch habe ich seither noch besser und direkter die Möglichkeit gehabt, mich in die HSS einzubringen. So habe ich schon mehrere Veranstaltungen und Seminare zum Netzwerken, geschichtlichen oder politisch/demokratischen Themen selbst planen und durchführen dürfen. Und es gefällt mir, direkte Ansprechpartnerin für die Fragen oder Anliegen anderer Geförderter zu sein.
Andererseits muss ich sagen, dass mir als „passive“ Teilnehmerin besonders ein Seminar zum Thema Resilienz im Kopf geblieben ist. Dabei sind wir als Stipendiaten in die Alpen zum Wendelstein gefahren und sind dort begleitet von drei Bergführern zu einer Berghütte gewandert und haben da übernachtet. Da wir dort oben nicht nur Vorträge zum Thema Resilienz hatten, sondern auch unsere Belastbarkeit und den richtigen Umgang mit Herausforderungen im Gelände (etwa beim Abseilen aus großer Höhe) „praktisch“ testen konnten, war das die perfekte Mischung aus Theorie und Adrenalin. Außerdem gehe ich – als gebürtige Bayerin – seit jeher gern in die Berge und da oben konnten wir als Teilnehmer uns noch mal ganz anders und intensiver kennen lernen und nach getaner Wanderung auf der Hütte bis in die Nacht Karten spielen und „ratschen“.
Was wäre Dir ohne die HSS nicht gelungen?
Da die HSS mich eigentlich mein ganzes bisheriges Erwachsenenleben begleitet hat, glaube ich tatsächlich, dass mein ganzes Leben (zumindest etwas) anders wäre. Ein Stipendium ist immer auch ein Vertrauensvorschuss und eine Art Sprungbrett: Da die HSS bekannt dafür ist, leistungsstarke und engagierte junge Leute zu fördern, war es für mich als Stipendiatin, glaube ich, leichter, schon früh an wichtige Jobs – etwa am Lehrstuhl oder in Großkanzleien – zu kommen und so fachlich und auch praktisch noch besser zu werden. Natürlich hilft die finanzielle Förderung gerade mir als Studentin ungemein, um mich nicht nur auf meine Leistungen zu konzentrieren, sondern sie ermöglicht auch die Teilnahme an Auslandserfahrungen. So habe ich mich schon in meinem zweiten Semester für das Vis Moot Court Team der LMU beworben und bin im Zuge des Wettbewerbs für ein halbes Jahr um die Welt gereist – dieser Moot Court hat mich fachlich so viel weitergebracht und Kontakte knüpfen lassen, von denen ich heute noch profitiere, sodass ich glaube, dass das ein wichtiger Meilenstein in meiner akademischen Laufbahn war. Das war aber natürlich finanziell mit einem Stipendium wesentlich leichter. Und schon bei der Bewerbung für das Team hat besonders die ideelle Förderung der HSS mir sehr geholfen: die vielfältigen Seminarangebote haben nicht nur meinen Horizont noch weiter erweitert, sondern ich habe auch wichtige „Life-Skills“ gelernt und weiß dadurch, wie viel ich zu leisten vermag, wie ich mich überzeugender ausdrücken kann und wie ich auf Menschen zugehe. Kurz: ich glaube, meine Moot-Court-Teilnahme wäre mir ohne die HSS nicht gelungen.