In Deutschland gibt es 13 Begabtenförderungswerke, die vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) unterstützt werden. Sie verfolgen ein gemeinsames Ziel: engagierte, leistungsstarke und verantwortungsbewusste Menschen auf ihrem Bildungsweg zu begleiten – im Studium, in der Promotion oder in der beruflichen Ausbildung.
Ein Stipendium der Werke bietet mehr als nur finanzielle Unterstützung. Es beinhaltet auch ideelle Förderung – etwa durch persönliche Begleitung, Seminare und vielfältige Austauschformate. Im Mittelpunkt stehen die fachliche und persönliche Entwicklung, gesellschaftliches Engagement sowie ein reflektiertes Demokratieverständnis.
Zur ideellen Förderung gehören auch Gemeinsame Programme und Auslandsaufenthalte. Sie stärken interkulturelle Kompetenz, ermöglichen wichtige Perspektivwechsel und fördern den Austausch über weltanschauliche, politische und religiöse Grenzen hinweg – in Deutschland, Europa und weltweit.
Das sind die 13 großen Förderwerke – jedes mit seinem eigenen Profil:
Das weltanschaulich und politisch unabhängige Werk
Studienstiftung des deutschen Volkes e.V.
Die politisch orientierten Werke
die SPD-nahe Friedrich-Ebert-Stiftung
die FDP-nahe Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit
die CSU-nahe Hanns-Seidel-Stiftung
die den Grünen nahestehende Heinrich-Böll-Stiftung
die CDU-nahe Konrad-Adenauer-Stiftung
die der Linken nahestehende Rosa-Luxemburg-Stiftung
Die religiös orientierten Werke
das muslimische Avicenna-Studienwerk
die Bischöfliche Studienförderung Cusanuswerk e.V.
das jüdische Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerk
das Evangelisches Studienwerk e.V. Villigst
Das gewerkschaftlich orientierte Werk
Hans-Böckler-Stiftung
Das unternehmerisch orientierte Werk
Stiftung der Deutschen Wirtschaft (sdw)
Jedes Werk hat ein eigenes Profil – politisch, religiös, gewerkschaftlich, wirtschaftsnah oder weltanschaulich neutral. Gemeinsam spiegeln sie die Vielfalt unserer Gesellschaft wider und setzen sich für faire Bildungszugänge ein. Sie bekennen sich zu den Werten der liberalen Demokratie und des freiheitlichen Rechtsstaats. In ihrer „Gemeinsamen Wertebasis der Begabtenförderung“ halten sie fest:
„In Anbetracht der zunehmenden gesellschaftlichen Polarisierung in Deutschland und Europa sehen die Begabtenförderungswerke eine ihrer zentralen Aufgaben darin, mit ihren Geförderten und Ehemaligen sowie ihren internationalen Netzwerken dieser Entwicklung entgegenzuwirken. Mit ihrer Arbeit treten sie gemeinsam ein für respektvolles Miteinander, gegen nationalistische Denkmuster, populistische Vereinfachungen, Wissenschaftsfeindlichkeit, Relativierung der Verbrechen des Nationalsozialismus, Antisemitismus, Islamfeindlichkeit, Rassismus sowie jegliche weitere Art von Diskriminierung aus Gründen der Religion oder Weltanschauung, der ethnischen Herkunft, des Geschlechts, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identität.“
Die Wurzeln der deutschen Begabtenförderung reichen bis 1925 zurück. Inmitten der wirtschaftlich schwierigen Zwischenkriegszeit entstanden erste Programme, um besonders talentierte und engagierte Studierende zu unterstützen – damals oft gezielt auch Studierende aus weniger privilegierten Familien.
Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde die unabhängige Begabtenförderung zerschlagen. Hochschulen wurden gleichgeschaltet, viele Verantwortungsträger:innen passten sich an das Regime an oder unterstützten dessen Politik aktiv.
Nach 1945 begann der Wiederaufbau. Ab 1946 entstanden die ersten Träger der heutigen Begabtenförderungslandschaft neu oder wurden wiedergegründet. In den folgenden Jahrzehnten kamen weitere Werke hinzu – politisch, religiös, gewerkschaftlich, wirtschaftsnah oder weltanschaulich neutral.
Heute stehen die 13 Begabtenförderungswerke für ein europaweit einzigartiges Modell: öffentlich finanziert, aber unabhängig organisiert, vielfältig, dezentral und plural. Sie fördern nicht einzelne Hochschulen oder exklusive Netzwerke, sondern Menschen mit Leistung, Haltung und gesellschaftlichem Engagement – in Studium, Promotion und Ausbildung.
Die Geschichte der Begabtenförderung ist eng mit der deutschen Demokratiegeschichte verbunden. Während des Nationalsozialismus wurden Hochschulen gleichgeschaltet und viele damalige Verantwortungsträger:innen zu Helfenden des Regimes. Die heutigen Begabtenförderungswerke setzen diesem Erbe etwas entgegen: Sie fördern Persönlichkeiten, die Verantwortung übernehmen – für sich, für andere und für eine demokratische Gesellschaft.
Dieses Modell ist einzigartig: öffentlich finanziert, aber unabhängig organisiert; dezentral, vielfältig und plural. Statt auf elitäre Strukturen zu setzen, legen die Werke besonderen Wert auf:
So wird Begabtenförderung zu mehr als nur Bildungsunterstützung – sie ist ein Beitrag zur Stärkung der Zivilgesellschaft.
Unsere Geförderten sind so vielfältig wie die Gesellschaft selbst – mit unterschiedlichen Hintergründen, Lebenswegen und Perspektiven. Hier lernst du Stipendiat:innen aus allen Werken kennen: Sie erzählen, was sie antreibt, wofür sie sich engagieren und was die Förderung für sie bedeutet.
Ein Stipendium bietet nicht nur finanzielle Sicherheit, sondern auch Raum für persönliche und fachliche Weiterentwicklung, neue Perspektiven und ein starkes Netzwerk. Die Werke suchen Menschen, die in ihrem Fach überzeugen und Verantwortung übernehmen – im Studium, in der Promotion oder in der Ausbildung.
Neugierig? Dann entdecke die einzelnen Werke und finde heraus, welches am besten zu dir passt. Auf den Profilseiten stellen sich die Förderwerke und ihre Programme vor.
Die Begabtenförderungswerke stehen für Vielfalt, Verantwortung und die Überzeugung, dass Bildung mehr ist als Leistung – nämlich die Chance, Gesellschaft mitzugestalten. Ob du studierst, promovierst oder eine Ausbildung machst: Wenn du neugierig bist, dich engagierst und wachsen möchtest, findest du hier nicht nur finanzielle Unterstützung, sondern eine Gemeinschaft, die dich auf deinem Weg begleitet. Schau dir die Werke an – und mach den nächsten Schritt.